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#346 RE: Ralph's Haus von Ralph 30.01.2020 07:20

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Ich nickte, froh, dass Blythe etwas zu tun vorgab und folgte ihr zurück zum Kamin. Sachte legte ich den Vogel mit seinem Leichentuch vor den kalten, aber immerhin schon befüllten Kamin. Dann richtete ich mich auf und begann unsicher auf der Stelle herum zu hibbeln, während ich meine Finger knetete, unsicher was ich jetzt tun sollte.

#347 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 30.01.2020 20:53

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Ich kniete mich vorsichtig neben den Vogel und holte mein altes Feuerzeug heraus, um das Feuer im Karmin nun endlich zu entfachen. Zur Unterstützung pustete ich auch noch ein bisschen und rückte ein Holzstück zurecht, bevor ich wieder zu Ralph sah, der etwas verwirrt auf der Stelle stand. Möchtest du noch ein paar Worte zu ihm sagen oder soll ich etwas sagen?, fragte ich vorsichtig, während ich fieberhaft überlegte, was ich überhaupt sagen würde, sollte Ralph mich darum bitten. Eine kleine Geschichte vielleicht? Ich war in so etwas nun mal weder geübt noch ein Experte bei diesem Thema.

#348 RE: Ralph's Haus von Ralph 31.01.2020 10:56

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Ralph fände es schön, wenn Blythe auch noch etwas sagt. Ich beobachtete die Flammen und starrte dann unsicher auf den toten, eingewickelten Vogel. Meine LED blinkte Gelb und ich fitzelte mit meinen Fingern am Saum meines Mantels herum. Ralph möchte sich noch einmal bei dem Vogel entschuldigen. Es war nicht seine Schuld, dass er in das Haus geflogen ist. Ralph wollte den Vogel nicht verletzen, aber er hat sich erschreckt. Ralph bereut sehr, dass er den Vogel umgebracht hat und er würde es wieder gut machen, wenn er könnte.

#349 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 01.02.2020 01:00

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Aufmerksam hörte ich Ralph zu, während er sprach und ließ ihn ganz zu Ende sprechen, während ich mir selbst überlegte, was für eine Geschichte meine Mutter früher immer über den Tod erzählt hatte. Ich hoffte, dass ich sie so erzählen konnte, wie sie sie mir auch immer erzählt hatte. Als es dann ruhig war räusperte ich mich. Diese Geschichte habe ich als kleines Kind gehört., erklärte ich Ralph. Eines Nachts sah ein König im Traum einen schwarzen Schatten vor ihm stehen. Mit zitternden Händen und klopfendem Herzen fragte er, "Wer bist du?" Der Schatten sagte, "Das spielt keine Rolle. Ich muss dich darüber informieren, dass du morgen Abend, wenn die Sonne untergeht, sterben wirst." Der Schatten verschwand. Der König schwitzte und wachte auf. Mitten in der Nacht holte er alle seine Berater, die Astrologen, die Handleser und Propheten, um seinen Traum zu deuten: Was er wohl bedeutete? Sie suchten in vielen Schriften nach einem ähnlichen Vorfall, doch das war nirgends vorher vorgekommen. Der Tod informiert niemanden, wann er kommt. Er kommt einfach und klopft vorher noch nicht einmal an die Tür., begann ich zu erzählen, Die Sonne ging auf. Ein alter Diener, der fast wie ein Vater für ihn war, kam zu dem König und sagte ihm, "Ich bin kein Gelehrter, auch kein Astrologe und kenne mich nicht mit Alchimie aus. Ich weiß überhaupt nichts von diesen Dingen. Eines aber weiß ich, du solltest nicht im Palast bleiben. Nimm unser bestes Pferd und reite so weit wie möglich weg von der Hauptstadt. Wenn möglich in ein anderes Königreich." Das leuchtete dem König ein und er nahm sein bestes arabisches Pferd und ritt los. Das Pferd galoppierte in vollster Geschwindigkeit, ohne auch nur einen kleinen Moment zum Trinken oder Fressen anzuhalten. Kurz bevor die Sonne unterging, erreichten sie ein anderes Königreich. Dort gab es einen Mango-Hain. Die Sonne ging langsam unter und der König dankte seinem treuen Pferd für seine Rettung. Da fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Er drehte sich um und sah den gleichen schwarzen Schatten wie im Traum. Dieser sagte zum Pferd, "Ich möchte dir ebenfalls danken. Ich machte mir schon Sorgen, ob du diese große Entfernung schaffen würdest, weil es das Schicksal des Königs ist, in diesem Mango-Hain zu sterben. Genauso wie dir der König dankbar ist, so bin ich es auch." Ich ließ sanft und vorsichtig viele kleine Mangobaum-Blüte auf meiner Hand wachsen.


Der Mango-Hain

Eines Nachts sah ein König im Traum einen schwarzen Schatten vor ihm stehen. Mit zitternden Händen und klopfendem Herzen fragte er, "Wer bist du?" Der Schatten sagte, "Das spielt keine Rolle. Ich muss dich darüber informieren, dass du morgen Abend, wenn die Sonne untergeht, sterben wirst." Der Schatten verschwand.

Der König schwitzte und wachte auf. Mitten in der Nacht holte er alle seine Berater, die Astrologen, die Handleser und Propheten, um seinen Traum zu deuten: Was er wohl bedeutete? Sie suchten in vielen Schriften nach einem ähnlichen Vorfall, doch das war nirgends vorher vorgekommen. Der Tod informiert niemanden, wann er kommt. Er kommt einfach und klopft vorher noch nicht einmal an die Tür.

Die Sonne ging auf. Ein alter Diener, der fast wie ein Vater für ihn war, kam zu dem König und sagte ihm, "Ich bin kein Gelehrter, auch kein Astrologe und kenne mich nicht mit Alchimie aus. Ich weiß überhaupt nichts von diesen Dingen. Eines aber weiß ich, du solltest nicht im Palast bleiben. Nimm unser bestes Pferd und reite so weit wie möglich weg von der Hauptstadt. Wenn möglich in ein anderes Königreich."

Das leuchtete dem König ein und er nahm sein bestes arabisches Pferd und ritt los. Das Pferd galoppierte in vollster Geschwindigkeit, ohne auch nur einen kleinen Moment zum Trinken oder Fressen anzuhalten.

Kurz bevor die Sonne unterging, erreichten sie ein anderes Königreich. Dort gab es einen Mango-Hain. Die Sonne ging langsam unter und der König dankte seinem treuen Pferd für seine Rettung. Da fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Er drehte sich um und sah den gleichen schwarzen Schatten wie im Traum. Dieser sagte zum Pferd, "Ich möchte dir ebenfalls danken. Ich machte mir schon Sorgen, ob du diese große Entfernung schaffen würdest, weil es das Schicksal des Königs ist, in diesem Mango-Hain zu sterben. Genauso wie dir der König dankbar ist, so bin ich es auch."

#350 RE: Ralph's Haus von Ralph 01.02.2020 12:09

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Ich lauschte Blythes Geschichte schweigend und versuchte zu verstehen worum es da ging. Vermutlich gab es einen tiefern Sinn in der Geschichte und den versuchte ich herauszufinden, auch wenn es mir schwer fiel. Nachdem Blythe geendet hatte starrte ich die Mangoblüte mit großen Augen an und schiweg eine Weile. Bedeutet Blythes Geschichte, dass man seinem Schicksal nicht entgehen kann, oder, dass der Tod seine Helfer überall hat?

#351 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 01.02.2020 20:02

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Wenn wir über etwas nachdenken, verlieren wir uns oft in der Tiefe unserer Gedanken. Der Diener in dieser Geschichte handelte rational und intelligent. Aber Denken bleibt Denken., begann ich Ralph die Geschichte ein wenig zu erklären, da er vermutlich sich noch nicht viel mit der philosophischen Seite seines Lebens beschäftigt hatte, Der Tod hat keinen Bestand, keine Substanz oder Realität. Jeder Augenblick in unserem Leben führt uns zu unserem schlussendlichen Tod, aber genau deswegen sollte man diese Zeit doch mit so vielen positiven Erinnerungen wie möglich füllen. Ich lächelte Ralph freundlich an. Du hast gerade erst begonnen zu leben und ich möchte, dass du jeden Augenblick geniesen kannst.

#352 RE: Ralph's Haus von Ralph 01.02.2020 20:26

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Ich lauschte Blythe und legte nachdenklich den Kopf schief. Ralph versteht was Blythe meint, aber Ralph fragt sich, wie man das Leben genießen kann, wenn doch am Ende alles nur zum Tod führt? Es war kein depressiver Gedankengang, der mich zu dieser Frage brachte, ich wollte das alles nur wirklich verstehen, alles was in mir gerade vor sich ging war Interesse.

#353 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 03.02.2020 10:16

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Ich glaube das ist der Grund, warum man sich als Mensch dazu motiviert, sein Leben so gut wie möglich auszukosten., meinte ich nachdenklich, bevor ich kurz belustigt mit dem Mundwinkel zuckte, Keine Sorge, ich habe nicht vor in nächster Zeit abzuleben. Ich sah auf das weiße Tuch, in das der Vogel eingewickelt war. Ich legte die Mangobaum-Blüte auf das Tuch, ähnlich wie die Blumen, welche man einem Toten in die Hände gab oder auf den Sarg legte und stand dann auf. Möchtest du ihn in das Feuer übergeben?

#354 RE: Ralph's Haus von Ralph 03.02.2020 12:25

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Ralph findet Menschen sehr kompliziert. Als Blythe weiter sprach und scheinbar eine Art Witz riss sah ich sie erschrocken an. Ralph hofft Blythe bleibt noch lange am Leben. Ich beruhigte mich schließlich wieder, doch trat einen Schritt von der Feuerstelle zurück, meine LED blinkte kurz rot auf. Ich hatte kein Problem beim Feuer zu stehen oder zu helfen eines zu entfachen, aber der Gedanke daran näher an die Flammen heran zu kommen machte mir Angst und steigerte mein Stresslevel wieder, auch weil die Narben in meinem Gesicht schmerzhaft zogen bei der Erinnerung an die Nacht in der ich sie bekommen hatte. Ralph möchte dem Feuer nicht zu nahe kommen. Ralph hat Angst sich zu verbrennen.

#355 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 03.02.2020 23:30

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Menschen sollten also sehr kompliziert sein? Im Gegensatz zu Androiden, welche nur über unendlich Möglichkeiten besaßen, um sich Informationen, neue Programme zu installieren oder sich sogar ganze neue Skillsets anzueignen. Ich fragte mich wohl, ob Ralph wusste, wie viel mehr Möglichkeiten und Speicher er hatte, als so ein menschliches Gehirn. In Gedanken wie ich war, bemerkte ich das kurze rote Aufblinken seiner LED nicht, sehr wohl aber den Wechsel in seiner Stimme. Keine Sorge, ich bin noch ziemlich jung. Naja, ich war neunundzwanzig Jahre alt, aber jeder der behauptete, dass war alt, würde es wirklich mit mir zu tun bekommen. Ich fragte mich, ob Ralph bisher überhaupt Erlebnisse mit Feuer gemacht hatte, nickte aber verständnisvoll. Dann übernehme ich das., meinte ich bestimmt und hob vorsichtig den Vogel in dem Tuch hoch, um ihn dann langsam ins Feuer gleiten zu lassen. Lebe wohl, kleiner Freund., sagte ich dabei leise, während ich ihn sanft den Flammen übergab.

#356 RE: Ralph's Haus von Ralph 04.02.2020 06:37

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Beides was Blythe sagte beruhigte mich etwas, denn ich wollte sie wirklich nicht verlieren und genauso wenig wollte ich mich weiter dem Feuer nähern. Ich beobachtete wie Blythe den Vogel in die Flammen legte und er langsam zu Asche verbrannte. Ich sagte nichts mehr, doch starrte eine Weile ohne zu zwinkern in das Feuer, doch dann musste ich die Biokomponenten die meine Augen darstellen wieder befeuchten und somit schmieren, da eine entsprechende neue Warnung zu den üblichen dazugekommen war.

#357 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 04.02.2020 16:47

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Es herrschte eine Weile einfach Stille zwischen uns, während der Vogel langsam, aber kontinuierlich, immer und immer weiter zu Asche wurde. Ich konnte mir gut vorstellen, dass dies für Ralph sehr bedeutsam war und fragte mich, ob ihm wohl ein Haustier gut tun würde. Vielleicht, wenn ich ihm zeigte, wie man sich gegenüber einem Tier am besten verhielt. Früher hatte es viele Therapie-Tiere für traumatisierte Menschen gegeben, warum sollte man dieses Konzept nicht eigentlich auch auf Androiden anwenden können? Davon abgesehen, dass es zumindest so auf mich wirkte, als ob Ralph Tiere eigentlich sehr gern mögen würde. Ich sah zu Ralph und musterte ihn kurz, bevor ich mich neben dem Karmin an die Wand lehnte.

#358 RE: Ralph's Haus von Ralph 04.02.2020 17:04

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Ich rieb mir über die Augen, damit die Warnung verschwand und mein Sichtfeld nicht noch mehr einschränkte. Dann beobachtete ich wieder normal den Vogel, denn ich befand, dass ich es ihm schuldig war ihm beim verbrennen zu zusehen. Es machte mich immer noch traurig, dass ich am Tod des Tieres schuld war, doch wenigstens lag es nicht mehr in der Küche herum.

#359 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 05.02.2020 10:48

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Ich bin stolz auf dich, Ralph., sagte ich schließlich, als von dem Vogel kaum etwas übrig geblieben war und wir eine Weile einfach nur in bedachter Stille verbracht hatten. Ich fragte mich, was in Ralphs Kopf gerade vorging, aber das tat ich sowieso des Öfteren.

#360 RE: Ralph's Haus von Ralph 05.02.2020 12:31

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Verwirrt sah ich Blythe an, als ich hörte was sie sagte. Was meint Blythe damit? Warum sollte sie stolz auf Ralph sein? Ich fand nichts, was ich getan hätte, auf das man stolz sein könnte, in meinem Speicher.

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