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#91 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 25.11.2019 17:57

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kommt von: (über "Lost District") Das Metrosystem

Die Tür des Hauses war offen. Ich wusste nicht warum es so war, da ich sie definitiv hinter mir sanft ins Schloss gezogen hatte, aber es reichte völlig, um all meine Sinne ins hier und jetzt zu bringen und nicht mehr auf all die anderen Dinge in der Umgebung zu achten, die ich zuvor noch beobachtet hatte. Ralph hatte das Haus bestimmt nicht verlassen, so verschreckt wie er gestern gewesen war und auch im Garten war niemand. Dort stellte ich auch den Sack ab, während ich mit schnellen Schritten die Tür erreichte, in der ich eine andere Stimme hörte und noch ein anderes Geräusch, das ich sofort erkannte. Auch wenn ich wirklich mein bestes tat einen kühlen Kopf zu bewahren, ging mein hitzköpfiges Temperament sofort mit mir durch, als ich sah, wie eines dieser geringeren Lebewesen, das sich an Schwächeren vergriff, Ralph gerade trat und beleidigte, während er am Boden lag und sich offensichtlich nicht wehrte. Ralphs Sicherheit stand für mich trotz meiner Wut aber an erster Stelle, weshalb ich all meine Kraft darin investierte, ihn von hinten in einen Würgegriff zu nehmen, um ihn von ihm wegzuzerren. Sofort stieg mir der ekelhafte Geruch von Alkohol in die Nase, während dieser, vermutlich Obdachlose, genauso ekelhafte Würgegeräusche von sich gab. Erst, als wir vor der Tür waren, ließ ich ihn unsanft zu Boden fallen. Das hättest du nicht tun sollen. Ich spürte, wie mein Herz mir bis in den Hals schlug, allein bei dem Gedanken, dass Ralph so etwas Schreckliches auch nur wenige Sekunden hatte ertragen müssen. Der Mann hustete Speichel und Schleim und versuchte wieder zu Atem zu kommen, wo ich ihm doch schon die Zurückhaltung bewiesen hatte, ihn nicht sofort zu erwürgen. Allerdings versuchte er trotzdem, nach mir zu schlagen, was in seinem Zustand wirklich ein Ding der Unmöglichkeit war, auch wenn ich nicht besonders schnell oder wendig war, zumindest solange er am Boden lag. Der Mann schien das auch erkannt zu haben, weshalb er sich aufrappelte. Bevor er etwas sagen konnte, hatte er auch schon eine blutende Nase, die er sich festhielt, während er begann blind um sich zu schlagen. Er erwischte mich sogar, an einer erdenklich schlechten Stelle, nämlich dort, wo ich mich gestern verletzten hatte lassen, allerdings spürte ich die Schmerzen gerade nicht. Stattdessen rang ich ihn einfach wieder zu Boden und drehte ihm, als er nicht aufhörte sich zu wehren, einfach die beiden Arme auf den Rücken. Wie ein Wahnsinniger wehrte er sich weiterhin, solange, bis ich mehr Druck ausübte und ein ekelhaftes Knacksen ertönte. Dann war Ruhe und man konnte nur noch leise Leidensgeräusche hören. Ich lehnte mich zu dem Mann hinunter und sagte in einer gefährlich ruhigen Stimme, Wenn du wieder aufstehen kannst, verschwindest du von diesem Ort. Und du kommst niemals mehr wieder. Ich ließ eine kurze Pause und setzte meinen Fuß in seine Kniekehle, woraufhin er trotz seiner nahenden Ohnmacht ein Nicken von sich gab. Denk gar nicht daran, deinen ekelhaften Freunden, wenn so ein geringes Lebewesen das überhaupt besitzt, hiervon zu erzählen, denn ich werde hier sein und du wirst es bereuen. Ich ließ ihn angewidert los und wischte meine Hände ab, während der Mann entweder ohnmächtig wurde, oder sich einfach nicht mehr rühren konnte. Anstatt mich darum zu kümmern, immerhin war er mit zwei gebrochenen Händen eine nahezu lächerlich kleine Gefahr, rannte ich schnell wieder zum Haus, wo ich allerdings am Eingang stehenblieb. Ralph?

#92 RE: Ralph's Haus von Ralph 25.11.2019 19:07

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Ich bekam sofort mit, dass die Schläge aufhörten, blieb aber in mich zusammengerollt, in der Erwartung folgender Schmerzen. Erst als draußen etwas dumpf auf dem Boden aufzukommen schien, bemerkte ich, dass sich in meiner direkten Umgebung keine Lebewesen mehr befanden. Ich rührte mich aber nicht und blieb fest in mich selbst verkeilt. Meine Wangen waren nass von der Flüssigkleit, welche meine Tränen darstellte, voller Angst hatte ich angefangen zu weinen, ohne es wirklich zu bemerken. Als jemand meinen Namen sagte zuckte ich zusammen, als hätte mich die Person bereits geschlagen, doch hob leicht den Kopf. Ich schniefte, als ich Blythe erkannte und versteckte meinen Kopf wieder in meinen Armen. Blythe... Blythe ist wieder da.

#93 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 25.11.2019 19:28

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Vorsichtig hob ich den Sack auf, den ich zuvor fallen gelassen hatte, bevor ich den Schritt nach vorne wagte und die Tür sorgsam wieder hinter mir schloss und stellte ihn direkt neben den Eingang, da es jetzt deutlich wichtiger war, mich erst einmal um Ralph zu kümmern. Langsam und sorgfältig näherte ich mich ihm und bekam ein furchtbar schlechtes Gewissen, als ich hörte, wie er schniefte. Natürlich bin ich wieder da, ich habe es versprochen., meinte ich leise und ungewöhnlich sanft dafür, dass ich mich gerade nicht sehr dazu bemühen musste. Bei Ralph klinkte sich mein Beschützerinstinkt einfach von selbst ein. Ich kniete mich neben ihn nieder und versuchte erst einmal zu erkennen, wie schwer er verletzt war, ohne ihn anzufassen. Wie ist das passiert, Ralph?

#94 RE: Ralph's Haus von Ralph 25.11.2019 20:33

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Ich hatte Blythe völlig vergessen, nachdem der Obdachlose herein gekommen war. Ich war es nicht gewohnt, dass jemand hierher zurück kam und mir auch noch half. Ich sah sie mit feuchten Augen an, blieb aber zusammengekrümmt liegen. Natürlich hatte ich schon schlimmeres erlebt, ich war ja auch noch nie gerettet worden, doch mir taten Rücken und Nase weh. Durch den ersten Schlag in mein Gesicht hatte ich eine blau verschmierte blutige Nase. Der Mann kam rein, Ralph hat sich versteckt, aber er hat sich nicht gut versteckt und der Mann hat Ralph gefunden. Dann ist passiert was immer passiert, der Mensch ist böse auf Ralph geworden und hat ihn geschlagen. Ralph hat doch nichts gemacht. Ralph versteht nicht warum die Menschen ihn so sehr hassen.

#95 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 25.11.2019 21:48

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Scheiße Ralph, das tut mir so leid., hauchte ich und kam nicht darum herum, mir selbst ein furchtbar schlechtes Gewissen zu machen, auch wenn mir natürlich bewusst war, dass es einfach nur das schlimmste Timing gewesen war, dass ich gerade außer Haus gewesen war. Ich war wirklich froh, dass ich gestern beschlossen hatte zu bleiben, denn so etwas sollte wirklich niemandem passieren. Ich weiß es leider auch nicht, warum manche Menschen so grausam sind, aber dieser Mann wird dir nie wieder etwas tun, das verspreche ich dir. Besorgt überlegte ich hin und her, wusste aber ehrlich nicht, was ich machen sollte, was mich zugegebenermaßen sehr frustrierte, aber ich traute mich auch nicht ihn anzufassen, nachdem ihm gerade so etwas passiert war. Kann ich dir irgendwie helfen?

#96 RE: Ralph's Haus von Ralph 25.11.2019 22:14

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Wie kann Blythe sowas versprechen? Ich schniefte und wischte mir über die Augen, ehe ich mich langsam und mit verzogenem Gesicht aufsetzte, die Knie an meine Brust ziehend. Nein, Ralphs Selbstreperaturprogramm ist schon dabei. Ralph ist das gewohnt. Es hat Ralph nur besonders erschreckt, nachdem es mit Blythe so friedlich war.

#97 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 26.11.2019 00:05

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Irgendwo gab es natürlich einen berechtigten Grund zu behaupten, dass ich es nicht versprechen konnte, aber andererseits hatte ich genug Selbstvertrauen in mich selbst, dass ich den Typen genug verschreckt und vielleicht auch traumatisiert hatte, selbst in seinem betrunkenen Zustand. Ich glaube ich habe ihn genug abgeschreckt., fasste ich es lieber harmloser zusammen, da ich Ralph nicht mit den Details verunsichern wollte. Ich nickte auf seine Aussage hin und beobachtete, wie er sich langsam aufsetzte und wieder ungefähr auf meiner Höhe war, weshalb ich ihn besser mustern konnte. Seine Nase sah wirklich nicht so gut aus. Wenn ich gewusst hätte, dass das passieren würde, wäre ich nicht gegangen. Kann ich etwas anderes für dich tun? Es ärgerte mich einfach hilflos zusehen zu müssen, auch wenn es schließlich zum Glück besser wurde.

#98 RE: Ralph's Haus von Ralph 26.11.2019 06:42

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Blythes Aussage beruhigte mich mehr als sie eigentlich sollte. Ich glaubte ihr fast. Ich war aber auch dumm gewesen so unvorsichtig zu sein, ich hatte weder die Umgebung gescant, noch mein Messer bei mir gehabt. Vermutlich hätte ich mich auch so nicht gewehrt, aber wenigstens hätte ich etwas in der Hand gehabt. Menschen kommen ab und zu her, so wie Blythe auch. Die meisten bemerken Ralph nicht, aber manchmal eben doch. Auf ihre weitere Frage ob sie nicht helfen könne schüttelte ich den Kopf. Blyte hat Ralph schon so viel geholfen. Er bedankt sich bei Blythe.

#99 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 26.11.2019 15:06

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Nachdenklich zog ich meine Augenbrauen zusammen, denn ich wusste nur zu gut, dass das vermutlich bedeutete, dass Ralph das auch schon alleine durchstehen hatte müssen. Angehört hatte es sich jedenfalls nicht so, als ob ihm sonst schon einmal jemand geholfen hätte und ein Mensch schon bestimmt nicht, so wie er über Menschen sprach. Ich schluckte einmal, bevor ich weitersprechen konnte, da ich nicht wollte, dass sich meine Stimme so sorgen-erfüllt anhörte, wie sie es sonst bestimmt getan hätte. Nächstes Mal, wenn so etwas passiert, dann bin ich hoffentlich da und erledige das für dich., meinte ich grimmig und biss fest die Zähne zusammen, denn alleine der Gedanke an diesen ekelhaften Typ brachte mich zur Weißglut. Das ist doch selbstverständlich, Ralph. Ich spürte plötzlich einen stechenden Schmerz in der Seite und sah etwas verwirrt nach unten, bevor mir wieder einfiel, dass mich der Typ ja leider genau bei meiner Stichwunde erwischt hatte. Ein Glück hatte ich den Verband gekauft, denn es sah so aus, als ob es schon wieder begonnen hatte zu bluten.

#100 RE: Ralph's Haus von Ralph 26.11.2019 15:19

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Manchmal kann Ralph sich auch selbst wehren, aber Ralph mag das nicht. Ich schauderte leicht, obwohl ich ja eigentlich keine Kälte spürte. Ich schüttelte aber bestimmt den Kopf bei Blythes letzter Aussage. Nein, ist es nicht. Meine LED drehte sich nun langsam wieder von rot auf gelb, wärend mein Selbstreperaturprogramm wirkte und die Schmerzen nachließen. Mein Stresslevel sank langsam den 50% zu und die Enge in meiner Brust, die durch die zuschnürende Angst entstanden war, löste sich auch langsam wieder. Blythe hat Ralph geholfen obwohl sie verletzt ist. Ralph hofft, dass es nicht schlimmer geworden ist?

#101 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 26.11.2019 18:14

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Du solltest dich gar nicht selbst wehren müssen, weil dir niemand wehtun sollte. Meine Stimmlage war leicht bitter, da ich es einfach nicht leiden konnte, wenn man sich an jemandem vergriff, der sich nicht wehren konnte oder wollte. Davon abgesehen, dass niemand das recht hatte, jemanden zu verletzen, der mir wichtig war, wenn er sich in nächster Zeit noch bewegen wollte. In den letzten Minuten hatte ich beschlossen, dass Ralph nun einfach zu meinen wichtigen Personen gehörte. Damit waren es jetzt zwei. Wenigstens also weiterhin übersichtlich. Ach, das ist schon in Ordnung, ich habe extra deswegen einen Verband gekauft, dann hat es sich wenigstens ausgezahlt. Ich lächelte schmal, denn es war wirklich nett von ihm, dass er sich Sorgen um mich machte, obwohl er doch eigentlich der war, der ernsthaft verletzt worden war. Wird es bei dir langsam besser?

#102 RE: Ralph's Haus von Ralph 26.11.2019 18:50

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Aber so ist das eben als ein Android. Besorgt sah ich zu Blythes Seite, doch nickte, als sie sagte, dass es nicht so schlimm wäre. Ich wollte ihr gerne glauben, das Gegenteil würde sowieso nur die Zeit zeigen können. Ja, das Programm ist beinahe abgeschlossen, Ralph ist zu 64% wieder repariert. Bei etwa 75% würde es stehen bleiben, weiter konnte mein Programm mich nicht mehr reparieren, denn dann begannen die irreversiblen Verletzungen.

#103 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 26.11.2019 20:47

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Ich sah ihn leicht gedankenverloren an, während ich mir überlegte, wie ähnlich die Lage der Androiden zu der früheren und auch momentanen Lage der Metamenschen doch war. Leider war dieses idealistische Bild, dass diese Sichtweisen sich bald ändern würden, leider ziemlich unrealistisch, aber es wäre doch wünschenswert. Ich weiß, ich wünschte nur, es wäre nicht so. Langsam nickte ich, während ich den Androiden, der neben mir saß, einmal langsam musterte, Das ist gut. Frustriert runzelte ich die Stirn und sah auf meine eigenen Hände, auf denen etwas Blut klebte, allerdings nicht mein eigenes, allerdings konnte ich nur daran denken, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte. Ich wünschte, ich könnte jemanden um Rat fragen.

#104 RE: Ralph's Haus von Ralph 26.11.2019 22:33

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Ralph wünscht das auch. Wenn Androiden aber an die selben Gesetze gebunden wären wie Menschen, was würde dann mit mir passieren, wenn herauskam, was ich bereits getan hatte? Ich befühlte kurz meine Nase, doch diese hatte sich bereits wieder gerichtet. Meine Außenhülle am Rücken reparierte sich noch und bald blinkte vor meinen Augen die rote Warnung auf, dass die Reperatur nicht weiter ausgeführt werden konnte. Kontaktieren sie Cyberlife! Nein, das würde ich nicht tun, denn sie würden mich zerstören.Ich sah zur geschlossenen Tür, welche nach draußen führte. Ist der Mann noch draußen?

#105 RE: Ralph's Haus von Black Thorn 26.11.2019 23:55

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Stumm nickte ich einfach nur, während ich wartete, da ich gerade sowieso nicht mehr tun konnte. Auf seine Frage hin erhob ich mich allerdings langsam, immerhin gab es nur einen Weg sicher festzustellen, wohin oder ob der Mann verschwunden war. Ich schaue kurz nach., meinte ich und lächelte freundlich, bevor ich in Richtung Tür ging, meine Hand auf meine Seite gestützt, um den Schmerz der Verletzung etwas auszugleichen. Schnell öffnete ich die Tür so schmal wie möglich und trat einen halben Schritt hinaus, wo ich mich umsah. Der Mann war weg, eine deutliche Spur verriet allerdings, dass er sich vom Grundstück entfernt hatte, also machte ich wieder einen Schritt zurück und schloss die Tür. Er ist nicht mehr da, Ralph.

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